Familie

Lisi und die Obdachlosen

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Vergangenes Wochenende haben wir zusammen mit den Mädels Fern geschaut, als plötzlich „Obdachlose“ Thema waren. Ein junges Mädel hat zusammen mit ihrer Mama und 2 bepackten Bollerwagen die Obdachlosen in Hamburg besucht und mit Essen und Trinken versorgt. Es dauerte ein paar Minuten, als Lisi sich zu mir drehte, an mich kuschelte und anfing zu weinen. Bitterlich!

Es dauerte wieder ein paar Minuten bis sie einen Ton rausbrachte und sagte: diese Menschen tun mir so leid! Und schon wieder überkam sie die Traurigkeit darüber, was sie gerade gesehen hatte. Es war wirklich schwer sie zu beruhigen und klar hätten wir als Eltern jetzt lügen und sagen können, ist doch alles nicht so schlimm. Ist es aber! Und in diesem Moment wollten wir das Ganze auch garnicht schönreden. Also haben wir sie einfach versucht zu trösten so gut wir konnten und zusammen mit ihr diese Traurigkeit durchgestanden.

Mama, so etwas darf nicht sein!

Später im Bett, als sie sich kurze Zeit etwas beruhigt hatte sagte sie noch, dass sie es so schrecklich findet, dass diese Menschen auf der Straße schlafen müssen. Das ginge doch nicht. Besonders wenn es regnet oder schneit. Und besonders leid taten ihr dabei ältere Menschen. Sie will das nicht. Sowas darf einfach nicht sein. Warum hilft ihnen niemand? Und eigentlich hat sie ja auch recht. Sowas darf einfach nicht sein und trotzdem ist es so.

Sie sagte auch, dass ja auch wir schon oft (beim bummeln in Großstädten) an solchen Menschen vorbei gegangen sind. Und auch wir haben nichts gemacht, sind einfach nur vorbei gegangen. Ja – sie hat recht! Und ich hätte nie gedacht, dass sie die Tragweite überhaupt begreift, geschweige denn überhaupt mitbekommen hat, dass dort Menschen sitzen die einfach vergessen werden. Die einfach sich selbst und ihrem harten Schicksal überlassen sind.

Und nun sitze ich hier und auch mich macht das alles so traurig. Wir Erwachsenen (nicht alle natürlich) haben diese Menschen einfach vergessen, meiden sie – und ein kleines, 8-jähriges Mädchen hat es sofort begriffen. Sie hat die Tragik & Dramatik verstanden und würde nur zu gerne helfen. Sie kann nicht verstehen warum manche Menschen reich und andere arm sind. Warum die „Reichen“ nicht einfach teilen, damit es die Armen garnicht gibt.

Ihr seht, es könnte so einfach sein, wenn man einem kleinen Mädchen zuhört. Doch leider ist es das nicht. Die Menschen sind eben nicht so, also die meisten. Und ich meine es wird immer schlimmer. Jeder denkt nur an sich selbst. Wir meckern auf höchstem Niveau, während andere auf der Straße schlafen und hungern. Und das in unserem eigenen Land, Deutschland, in dem es so etwas eigentlich nicht geben sollte. In dem Wohlstand herrscht!

So viele Obdachlose in Deutschland

Also was können wir tun? Es gibt soviele Heime. Kinderheime, Altenheime, Tierheime…aber für die Obdachlosen wird einfach noch immer viel zu wenig gemacht. Es gibt rund 60.000 Menschen, die Tag für Tag auf der Straße schlafen müssen und der Winter naht. Knapp 650.000 Menschen in Deutschland sind Wohnungslos, kommen aber offenbar irgendwo unter. Ich meine überlegt euch das mal.  Deutschland hat knapp 82 Millionen Einwohner und fast 650.000 davon sind Wohnungslos.

Und ja, viele davon trinken Alkohol und nehmen Drogen. Aber ganz ehrlich. Wir haben einen blassen Schimmer davon, warum sie auf der Straße gelandet sind. Wie sonst sollten sie diesem Druck und diesem harten Leben auf der Straße stand halten? Und so ertränken sich sich in wärmenden Alkohol oder beamen sich in eine andere Welt. Daran schonmal gedacht? Und erst einmal in diesem Kreislauf gefangen ist es einfach schwer, ohne Hilfe da raus zu kommen.

Und ja, es gibt „Schwarze Schafe“!

Es gibt natürlich auch (wie eigentlich immer im Leben) Menschen, die das Leid anderer für sich ausnutzen und zu eigen machen. Menschen, die garnicht auf der Straße leben, sich aber trotzdem dazu setzen und „abkassieren“. Am Ende des Tages werden sie wieder eingesammelt und müssen das Geld vermutlich trotzdem abgeben, an irgendwelche Geldgeilen, die die Gutmütigkeit der Menschheit ausnutzen. Das ist traurig, schade und verwerflich, aber sollte man deswegen alle über einen Kamm scheren und einfach konsequent vorbei laufen? Ich weiß es nicht. Vielleicht sollte man vielmehr auf sein Bauchgefühl hören und seinen Instinkt vertrauen?

Also, wie können wir helfen?

Aktuell denken alle nur darüber nach, wie sie weniger Plastikmüll produzieren oder darüber sich Vegan zu ernähren. Das ist auch wichtig, keine Frage! Aber warum denken wir nicht auch mal an die, die alle vergessen haben? Die sich solche Fragen garnicht stellen können. An denen wir immer wieder einfach vorbei laufen oder sie sogar wegschicken. Ich weiß wie schlimm es um unsere Umwelt aussieht und das wir hier alle dringend etwas tun müssen. Aber neben all den Problemen unserer Welt, sind die Probleme vieler Menschen in unserem eigenen Land total verloren gegangen.

Lisi´s großer Wunsch ist es nun, zu helfen! Am liebsten würde sie sich sofort auch 2 Bollerwagen kaufen, diese täglich beladen und damit losziehen. Sie würde sogar sofort ihr Bett verschenken. Also müssen wir als Eltern uns was überlegen, wie wir helfen können. Also wenn jemand irgend eine Idee hat, immer her damit. Aber vielleicht sollten wir alle einmal darüber nachdenken, ob wir diesen Menschen nicht helfen könnten. Uns ein Beispiel an einem kleinen, 8-jährigem Mädchen nehmen!

Warum ich darüber blogge?

Weil ich das „Leid“ vor der eigenen Tür vielleicht ein Stück mehr ins Bewusstsein bringen möchte. Euer Bewusstsein – unser Bewusstsein. Weil das ein Anfang wäre, überhaupt etwas zu tun. Denn nur wer die Augen davor nicht verschließt ist in der Lage, etwas zu bewirken. Jetzt wohnen wir hier sehr ländlich und Obdachlose haben wir hier im Prinzip nicht. Aber wir werden uns schlau machen, denn dass hat Lisi mich gelehrt – einfach mit offenen Augen und helfenden Händen durchs Leben zu gehen. Wer jetzt sogar in Städten wohnt (in denen Obdachlosigkeit ein großes Problem ist) und sich aufgrund meines Posts vielleicht Gedanken macht, dann – ja dann habe ich eigentlich alles erreicht, was ich erreichen wollte.

Danke fürs Zuhören bzw. Lesen!

 

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2 Kommentare

  • Reply
    Natalie
    10. Oktober 2019 at 15:56

    Deine Tochter hat recht. Unsere Kinder haben recht. Jeder denkt er hat nicht viel und trotzdem kann man helfen. Wir gehen immer mal los und verteilen Essen und Trinken. Am Abend vorher werden Brötchen belegt und im Aldi oder Lidl kleine Flaschen mit Getränken gekauft. Manchmal auch etwas Süßes oder Schokolade. Im Herbst/ Winter machen wir das ganze mit Kaffee und heißen Kakao. Das kostet nicht viel. Wir haben nicht viel aber sowas klappte bisher immer. Und es würde immer gut angenommen!

  • Reply
    Sonja
    10. Oktober 2019 at 18:31

    Sie hat so verdammt recht und mir gerade wieder einmal die Augen geöffnet. Ich überlege, ob man nicht für die kälteren Tage Bettdecken (die man eh nicht mehr braucht) verschenkt, damit es die Obdachlosen wenigstens warm haben. Aber ich denke, wenn jemand Angst hat, dass eine Geldspende versoffen werden würde, der kann ja auch beim Bäcker einen heißen Kaffee und ein belegtes Brötchen spenden ☺️

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