Ratgeber

Andere Länder, andere Geburten

Die Schwangerschaft und die Geburt gehen in Deutschland immer einen bestimmten Gang. Dennoch haben wir im Vergleich zu anderen Frauen unendlich viele Wahlmöglichkeiten. Mindestens drei Ultraschalluntersuchungen, alle 4 Wochen geht es zur Vorsorge zum Arzt oder zur Hebamme. Wir können wählen, ob wir unser Kind zu Hause, in einem Geburtshaus oder aber im Krankenhaus bekommen. Wir erhalten Schwangerschaftsgymnastik und Geburtsvorbereitungs-Kurse, wo wir lernen die Schmerzen weg zu atmen oder laut heraus zu schreien. Alles ist Möglich! In anderen Ländern dieser Erde schaut es ganz anders aus. Hier wird nach bestimmten Traditionen und Regeln entbunden, an die sich jede Frau halten muss.

Laute von sich geben ist Tabu!

Während eine Frau in Deutschland für sich selbst entscheidet, wie sie ihren Schmerzen Ausdruck verleiht, gibt es gerade in asiatischen und afrikanischen Ländern die Vorschrift, dass eine Frau leise sein muss. In Afrika ist man gar der Ansicht, dass man die Ehre der Familie oder sogar die des ganzen Dorfes beschmutzt, sollte man schreien. In Benin geht man sogar soweit, dass den Frauen erzählt wird, sie würden auf der Stelle unfruchtbar, käme ein Laut über Ihre Lippen. Außerdem werden Frauen, die ihre Schmerzen zeigen, nicht in die Gemeinschaft der Dorffrauen aufgenommen. Die Thailänder hingegen sind davon überzeugt, dass das Zeigen von Schmerzen Auswirkungen auf das Neugeborene haben wird. So gehen die Thailänder davon aus, dass dieses Kind frech und unerzogen wird. Ist die Frau jedoch tapfer und beißt die Zähne zusammen, dann wird das Kind brav und folgsam. Rücksichtsvoll, wie die Asiaten in der Regel sind, erwartet man auch von Gebärenden, dass sie die Ruhe des Dorfes nicht stören. So haben all diese Frauen während der Geburt eine zusätzliche große Last zu tragen.

Böse Geister, die das Kind gefährden aussperren

In vielen Ländern sind Tradition und Aberglaube fest miteinander verbunden. So begibt sich eine Frau in Mexico bei Einsetzen der Wehen direkt in ein Haus, das anschließend komplett verschlossen und verbarrikadiert wird. Jede Fensterritze wird mit Stofftüchern ausgekleidet, und das Haus extrem aufgeheizt, damit ja kein böser Geist hinein gelangen kann. Das Gegenteil wird in Indien und Marokko praktiziert. Hier muss die Gebärende ihren Schleier und Schmuck abnehmen und die Haare öffnen. Anschließend werden alle Fenster sowie die Türen offen gehalten. Sollte der Mann einmal zugegen sein während der Geburt, so ist auch er verpflichtet seine Schürsenkel zu lösen und das Hemd aufzuknöpfen. Es wird geglaubt, dass so die Eröffnungsphase beschleunigt wird, indem man alles verschlossene lockert und aufmacht. In Java kommt dem Kindsvater eine beschützende Rolle zu. So mixt er, unter Anleitung der Hebamme, verschiedene Kräuter zu einer Paste zusammen, die er dann auf den Kopf seiner Frau spuckt. So soll sie vor den bösen Geistern geschützt sein.

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Nabelschnur und Plazenta, Heil oder Unheil?

In unseren Breitengraden ist es mittlerweile üblich, dass der Mann im Kreißsaal zugegen ist und im Anschluss an die Geburt, die Nabelschnur durschneidet. Diese wird dann zusammen mit der Plazenta entsorgt. Dieser Vorgang wäre bei vielen Völkern völlig undenkbar! Die Nabelschnur wird den Neugeborenen in Mexiko und Indien als Glücksbringer-Kette um den Hals gehängt, oder im Haus versteckt. Viele Naturvölker gehen sogar davon aus, dass sie das Glück mit sich tragen, sollten sie die Nabelschnur essen. Für unsere westliche Gesellschaft ein Gedanken, bei dem es uns übel wird. Andere Kulturen vergraben sie unter Bäumen und sind davon überzeugt, dass man an dem Wachstum des Baumes auch die Gesundheit des Kindes ablesen kann. Die Plazenta hingegen ist bei den meisten Völkern verpönt. Viele nehmen an sie sei der böse Zwilling des Kindes und wird daher in Südamerika und Korea direkt nach der Geburt verbrannt. Nur ein paar wenige Kulturen sehen sie als wichtigen Teil an. So trocknen die Inuit die Plazenta und geben dem Kind bei jedem wichtigen Ereignis ein Stück zu essen.
All dies gehört für uns zu einer ganz fremdartigen Art und Weise mit den Schmerzen und der Geburt umzugehen. Und trotzdem ist es für die Frauen in diesen Ländern das gleiche Wunder wie für uns. Ob nun im Kreise einer Scharr von Frauen, der ganzen Familie oder mit Hebamme, Arzt und Partner, das Endergebnis bleibt immer dasselbe.

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