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Waldkindergarten – Alternative zur herkömmlichen Kita?

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Ein erster großer Meilenstein im Leben unserer Kinder ist wohl der Kindergarten. Ich weiß noch, wie ich mir in Ruhe alle Kindergärten in der Umgebung angesehen habe, um den richtigen für meinen Sohn zu finden. Als dann die Zu- und Absagen verschickt wurden, war dies wirklich eine aufregende Zeit! Vor kurzem habe ich mich auch mit anderen Mamis über dieses Thema unterhalten und immer häufiger höre ich dabei, dass die Wahl auf einen Waldkindergarten gefallen ist. Anfangs dachte ich dabei immer an einen Waldorfkindergarten, aber ich lag falsch.

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Mit den Kindern in den Wald!

Bildquelle: Fotolia © Jürgen Fälchle – Wandertag

Der Waldkindergarten auf den ersten Blick

Waldkindergärten werden immer beliebter und sprießen wie Pilze aus dem Boden. Doch was macht den Waldkindergarten eigentlich genau aus?

Die Idee die Kinder in der freien Natur zu erziehen stammte in den 50er Jahren aus Skandinavien, wo dieses Konzept großen Anklang fand. Seit den 90er Jahren wird es nun auch in Deutschland immer bekannter und beliebter. Waldkindergärten werden gerne als „Kindergarten ohne Dach bezeichnet“ und im Großen und Ganzen trifft dies sogar zu. Die Kinder sind bei Wind und Wetter an der frischen Luft. Lediglich für Witterungen, die einen sicheren Aufenthalt außerhalb eines Gebäudes unmöglich machen, muss Erziehern und Kindern eine Aufenthaltsmöglichkeit zur Verfügung stehen. In der Regel handelt es sich dabei um einen beheizten Bauwagen, der in der Nähe des Waldgebietes steht, oder eine Waldhütte. Diese Unterbringungsmöglichkeiten werden aber nur äußerst selten genutzt. Von der pädagogischen Seite her unterscheidet sich der Waldkindergarten kaum von einem herkömmlichen. Die Kinder werden begleitet, sollen lernen und werden erzogen. Hierbei verhilft der Wald zu fast allem was gebraucht wird, denn es wird nur sehr wenig „normales“ Spielzeug verwendet. Das meiste suchen sich die Kinder situationsbedingt aus der Natur. Dennoch kommen das Malen, Basteln, Spielen und die festen Tagesabläufe nicht zu kurz.

Unterschied Waldkindergarten und Waldorfkindergarten

Während sich der Waldkindergarten nur durch das fehlende Kindergartengebäude von den Regelkindergärten unterscheidet, so besitzt der Waldorfkindergarten durchaus ein Gebäude und unterscheidet sich durch seine Pädagogik von anderen. Zwar wird auch hier versucht die Kinder für ihre Natur zu interessieren und sich mit den Naturmaterialien auseinanderzusetzen, aber der Ansatz ist ein anderer. Jedes einzelne Kind wird als Individuum erkannt und soll sich auch als solches entwickeln. Daher dürfen die Kinder sich im häufigen freien Spielen frei entfalten. Ein großes Augenmerk wird auf einen rhythmischen Tagesablauf gelegt. Dabei spielt Musik und Tanz eine große Rolle. Durch immer wiederkehrende, oft über mehrere Tage hinweg, Lieder und Tänze, sollen Kinder lernen die Erzieher und die Natur nachzuahmen. Auch Projekte wie Brotbacken aus Bio-Zutaten oder Weben, Korbflechten und Gartenbau (usw.) sollen ihnen helfen sich als heranwachsendes Individuum mit und in der Natur zu erkennen. Bestimmte Grenzen, die in Regel- oder Waldkindergärten gesetzt werden, sind im Waldorfkindergarten etwas aufgeweichter.

Vor und Nachteile des Waldkindergartens

Ein Waldkindergarten bietet viele Vorteile! Wer hat es nicht gerne, wenn sein Kind so viel Zeit wie möglich an der frischen Luft verbringt? Wie genau sich solch ein Kindergarten auf die Kinder auswirkt, haben vor einigen Jahren mehrere Studien untersucht. Hierbei kam heraus, dass der andauernde Aufenthalt im Walt sich positiv auf die Grob und die Feinmotorik der Kinder ausgewirkt hatte. Auch die Wahrnehmung und Tiefensensibilität waren extrem gut ausgeprägt. Durch ihr selbstgebautes Spielzeug mussten sich die Kinder gegenüber den Erziehern und den anderen Kindern häufiger erklären, was die verbale Kommunikation förderte und der Sprachentwicklung half. Auch fiel in dieser Studie auf, dass Kinder aus Waldkindergärten weniger Unfälle beim Sport oder auf dem Schulhof hatten und genau wussten wie sie Fallen mussten, um sich nicht zu verletzen. Die Krankheitsrate bei diesen Kindern ist extrem niedrig, da das Immunsystem sehr ausgeprägt ist.

Wer sich für einen Waldkindergarten entscheidet, dem muss bewusst sein, dass das Absuchen nach Zecken und ähnlichem zum Alltag wird. Günstig ist es sicherlich in diesem Fall über eine Zeckenimpfung nachzudenken. „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung“… Genau hierauf müssen Eltern von Kindern aus dem Waldkindergarten achten. Gute und wettergerechte Kleidung ist ein absolutes Muss! Gerade für den dauerhaften Aufenthalt im Regen oder Schnee ist die Kleidung der Discounter nicht ausreichend. Daher muss jedem Elternteil im Vorfeld bewusst sein, dass dieser Faktor ganz schön ins Geld gehen kann, zudem die Kleidung durch intensiven Gebrauch auch schnell verschleißt. Außerdem müssen mehrere Garnituren vorhanden sein, da die Kinder nicht selten als lebendige Matschkugeln zu Hause erscheinen werden. Kinder aus Waldkindergärten sind in der Regel nicht schlechter auf die Schule vorbereitet als Kinder aus Regelkindergärten. Lediglich die ungewohnt beengten Räume und das Fokussieren auf ausschließlich theoretische Dinge können den Kindern, in den ersten paar Tagen, zu schaffen machen.
Waldkindergärten sind sicherlich eine tolle Sache für Kinder, die gerne forschen und sich an der frischen Luft bewegen. Das haben nun auch unsere Regelkindergärten erkannt. Vielerorts werden daher in Kindergärten Naturgruppen gebildet oder man bietet Waldtage und –projekte an. Wem also der Waldkindergarten nicht komplett zusagt, der kann sich in den einzelnen Regelkindergärten über solche Dinge informieren.

Darf ich Dir noch was empfehlen?

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