Ratgeber

Zahnen – Bewährungsprobe für Eltern und Kind

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Wer bereits Kinder hat, der weiß ganz genau wie viele graue Haare einem während der Zahnungsphase des Kindes wachsen können. Viele Kinder sind extrem weinerlich, können nicht schlafen und sind anhänglich. Meine Kinder haben zudem auch noch alles mitgenommen, was an Infekten auf dem Weg lag. Bekamen sie Fieber oder hatten einen wunden Po, so konnten wir sicher sein, dass sich der nächste Zahn einstellt. Es gibt aber auch Kinder, an denen gehen die Beschwerden einfach vorbei und irgendwann schreit Mama erschrocken auf, weil der kleine Wonneproppen unerwartet und beherzt zugebissen hat.

Eine kleine Orientierungshilfe

So individuell, wie jedes unserer Kinder ist, vollzieht sich wohl auch das Zahnen. Natürlich gibt es von der Zahnmedizin einen ungefähren Fahrplan, an den ihr euch zur Orientierung halten könnt. 99,96% aller geborenen Babys kommen zahnlos auf die Welt. Das ist auch sinnvoll so, denn ich glaube kaum, dass eine Frau ihr Kind stillen würde, wenn es ihr ständig die Brustwarzen zerbeißen würde. Lediglich ungefähr 1 von 2500 Kindern kommt bereits mit einem Milchzahn zur Welt. Die meisten Kinder bekommen ihre ersten Zähne etwa im 6.-8. Monat. In der Regel brechen hierbei die unteren mittleren Schneidezähne zuerst durch. Erst danach zeigen sich die oberen mittleren Schneidezähne. Weiter geht es mit den seitlichen Schneidezähnen, gefolgt von den ersten kleinen Backenzähnen. Im Endspurt brechen zunächst die Eckzähne durch und anschließend die 2. (hinteren) Milchbackenzähne. In der Regel ist das Gebiss mit 2 ½ Jahren und 20 Zähnen voll ausgebildet.

Hier das Ganze noch einmal etwas komprimierter und mit Altersangaben:

6.- 8. Monat: Mittlere Schneidezähne
8.- 12. Monat: Seitliche Schneidezähne
12.- 16. Monat: Vorderen Backenzähne
16.- 20. Monat: Eckzähne
20.- 30. Monat: Hintere Backenzähne

Wie bereits erwähnt sind dies alles nur Normwerte, die als Orientierungshilfe herangezogen werden können. Wann und wie lange das Zahnen bei eurem Kind andauert, kann wirklich ganz verschieden sein. Ich habe nicht selten von Kindern gehört, die ihren ersten Milchzahn viel eher oder erst viel später bekommen habe. Egal wie es ist, es ist in Ordnung. Ich habe auch so einen Sonderfall zu Hause. Einer meiner Söhne hat sogar einen seitlichen Schneidezahn zu viel und insgesamt 21 Zähne. Was sich die Natur bei sowas denkt, entzieht sich meiner Vorstellungskraft…

Beschwerden beim Zahnen

Manche Kinder haben das Glück und bekommen nur wenige Beschwerden beim Zahnen. Hast du solch ein Kind, kann man dich nur beneiden. Die meisten Mütter kennen das Dauergeschrei übermüdeter Kinder, die einfach nicht zur Ruhe kommen und sich ständig irgendwelche Gegenstände oder ihre Fäustchen in den Mund stecken. Viele Kinder sabbern in dieser Zeit extrem, haben wenig Appetit und rote, raue Wangen. Häufig sind Kinder anfällig für verschiedene Infektionskrankheiten, wenn sie Zähne bekommen. Durchfall, ein wunder Po, Hautausschlag, Schnupfen und Fieber sind häufige Begleiter in diesen Monaten. Keine Angst, es geht vorüber! Und als Mama ist man auch wirklich stolz, wenn denn der erste Milchzahn durchgebrochen ist. Bis dahin musst du einfach gute Nerven haben.

Du kannst aber auch versuchen deinem Kind das Zahnen zu erleichtern. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Zahnungshilfen aus der Apotheke: Hier kannst du dich ganz gut beraten lassen, was helfen könnte. Ich als Mama habe gut Erfahrungen mit dem Gel Dentinox und den kleinen homöopathischen Kügelchen Osanit gemacht. Das Dentinox Gel wird auf die betroffenen Kauflächen aufgetragen und betäubt die Stellen. Osanit wirkt lindernd und beruhigend. Vielfach habe ich auch davon gehört, dass man Kinder auf Veilchenwurzeln kauen lassen sollte. Diese sollen schmerzlindernd wirken.
  • Ein gekühlter (nicht gefrorener) Beißring schafft Linderung und mindert das Spannungsgefühl.
  • Karotten und Kohlrabi eignen sich auch gut als Beißhilfen. Hierbei aber unbedingt in unmittelbarer Nähe sein, da die Kinder sich verschlucken könnten.
  • Bernstein: In vielen Gegenden schwören die Menschen auf Bernstein. Ich persönlich habe noch keine Erfahrungen damit gemacht. Vielleicht ist es einen Versuch wert.
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© detailblick – Fotolia.com

Kariesschutz von Anfang an

Schon nachdem der erste Milchzahn durchgebrochen ist, ist es wichtig das kleine Zähnchen richtig zu pflegen. An sich haben unsere Kinder, wenn sie zur Welt kommen noch keine Kariesbakterien, bekommen sie aber häufig von uns als Eltern übertragen. Dadurch, dass wir unser Kind von unserer Banane abbeißen lassen oder wir den Löffel Brei ablecken oder auf die richtige Temperatur überprüfen, geben wir schon diese Bakterien weiter. Daher heißt es immer fleißig putzen! Die Zahnschmelzschicht der kleinen Milchzähne ist viel dünner als die der bleibenden Zähne. Daher sind Milchzähne viel anfälliger für Kariesbefall. Wer dabei denkt, dass Karies bei Milchzähnen nicht so schwerwiegend ist, der irrt! Das Milchzahngebiss ist enorm wichtig für eine normale Gebissentwicklung. Es hat die sogenannte Platzhalterfunktion. Daher werden Zahnärzte alles unternehmen, um ein intaktes Milchzahngebiss beizubehalten. Dies beginnt bei normalen Füllungen, bis hin zu Wurzelbehandlungen, Milchzahnkronen und sogar Kinderprotesen. Doch soweit muss es erst gar nicht kommen! Schaut einfach, dass euer Kind nicht zu oft am Tag Snacks und Süßigkeiten zu sich nimmt. Zahnfreundliches Essen und Trinken heißt die Devise! Süßigkeiten gehören einfach zur Kindheit dabei. Das soll auch weiter so bleiben! Schaut einfach, dass euer Kind nur einmal am Tag etwas Süßes bekommt und nicht ständigen Zugang hat, denn ansonsten entstehen andauernd Säuren, die den Zahnschmelz angreifen.

Mundhygiene ist das A und O. Dabei wäre es wünschenswert, wenn ihr dreimal am Tag die Zähne putzt. Aber auch Zahnärzte sind Realisten und fordern daher mindestens zweimal am Tag zur Zahnbürste zu greifen. Dabei solltest du beachten, dass Kinder bis etwa 9 Jahren motorisch noch gar nicht in der Lage sind ihre Zähne wirklich sauber zu putzen. Sie benötigen daher immer noch deine Hilfe. Gerade am Abend sollten die Eltern das Zähne putzen übernehmen. Morgens können sich auch gerne die Sprösslinge selber versuchen. Optimal für Milchzähne ist spezielle Milchzahn-Zahnpasta. Diese ist optimal auf Milchzähne abgestimmt. Ab 6 Jahren sollte dann auf Junior bzw. Erwachsenen-Zahnpasta gewechselt werden.

Zahnwechsel – Die Wackelzähne kommen!

Es ist doch noch gar nicht so lange her, dass die Milchzähne kamen und nun fangen sie bereits an zu wackeln…. Auch das gehört zum Zahnen und die Kinder freuen sich riesig darüber. Nicht nur, dass dann bald die Zahnfee kommt, es ist auch deutliches Zeichen an die anderen Kinder: „Schau her, ich bin groß“! Der erste ausgefallene Zahn war jedenfalls bei uns ein absolutes Spektakel. Ab vier Jahre bereitet sich das Gebiss schon auf den Zahnwechsel vor. Jetzt kann es bereits durch das Wachstum des Kiefers zu einer Lückenbildung im Bereich der Frontzähne kommen. So verschafft sich der kleine Kiefer Platz für die breiteren bleibenden Zähne. Etwa mit 6 Jahren fallen durchschnittlich die ersten Zähne aus. Auch hier, ist es wie so häufig in der kindlichen Entwicklung, sind die Mädchen etwas schneller als die Jungs. Das Gebiss eures Kindes wird nun in zwei Phasen anwachsen auf 32 Zähne insgesamt. Dabei reden die Mediziner von Zuwachszähnen und Ersatzzähnen. Etwa mit 12 Jahren ist auch diese Zahnentwicklung abgeschlossen und euer Kind hat bis etwa 16 Jahre wieder Ruhe vor irgendwelchen Zahndurchbrüchen.

Darf ich Dir noch was empfehlen?

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