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Eisenmangel in der Schwangerschaft nicht auf die leichte Schulter nehmen

Zu den häufigsten Mangelerscheinungen in der Schwangerschaft gehört der Eisenmangel. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn schließlich benötigt unser Körper enorm viel Eisen, um zwei Menschen mit Blut zu versorgen. Hinzu kommt, dass Frauen von Natur aus eher einen niedrigeren Eisenhaushalt besitzen und die Reservedepots nur mäßig gefüllt sind. Dies wiederum liegt daran, dass wir durch die Menstruation stetig neues Blut bilden müssen.

Wofür ist Eisen so wichtig?

Eisen gilt als der wichtigste Bestandteil, wenn es um die Bildung des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin geht. Bei Hämoglobin handelt es sich dabei um das Protein in den roten Blutkörperchen, das den Sauerstoff zu den Zellen transportiert und ist ein wichtiger Inhaltsstoff weiterer Proteine (z.B.: Myoglobin & Collagen), die die Muskeln mit Sauerstoff versorgen oder die für Knochen, Knorpel und Bindegewebe wichtig sind. Außerdem ist Eisen für unser Immunsystem unerlässlich. Während einer Schwangerschaft ist Eisen mitverantwortlich für das Wachstum und die Gehirnentwicklung des Babys.

Das Spurenelement Eisen kann unser Körper nicht selber herstellen und muss so über die tägliche Nahrung aufgenommen werden. Das Eisen wird dann im Dünndarm aus der Nahrung heraus gelöst und in den Blutkreislauf aufgenommen. Von dort gelangt es in das Knochenmark, wo es für die Bildung des Hämoglobins benötigt wird.

Wie kommt es zum Eisenmangel und wie äußert er sich in der Schwangerschaft?

Bereits ohne Schwangerschaft besteht bei vielen Frauen ein Eisenmangel. Durch einseitige und fleischarme Ernährung nehmen wir selten genug Eisen zu uns. Dabei ist unser Körper eigentlich sogar in der Lage einen Eisenvorrat anzulegen. Hierbei wird überschüssiges Eisen in Depots gelagert, auf die der Körper bei Bedarf zurückgreifen kann. Bei etwa 50% aller Frauen sind diese Speicher allerdings nicht ausreichend gefüllt, so dass schon bei einem leicht erhöhten Bedarf ein Mangel entsteht. Kommt dann noch eine Schwangerschaft hinzu, manifestiert sich dieses Problem. Bei einer schwangeren Frau erhöht sich das Blutvolumen um etwa 40%, um die Gebärmutter ausreichend mit Blut versorgen zu können. Dabei gilt es eine optimale Sauerstoffversorgung für Mama und Baby zu gewährleisten. Hierzu steigt der Bedarf an Eisen um das Doppelte an und macht dieses Spurenelement mit zu den wichtigsten Nährstoffen einer Schwangerschaft. In der Regel ist der Eisenbedarf zwischen der 8. Und der 22. SSW am höchsten. Wenn während dieser Zeit nicht genug Eisen aufgenommen wird und die Depots nicht ausreichen gefüllt sind, kommt es spätestens im letzten Schwangerschaftsdrittel zu einem akuten Eisenmangel. Daher wird schwangeren Frauen eine täglich Eisenzufuhr von 30 Milligramm empfohlen.

Was passiert bei einem Eisenmangel?

Ein längerfristiger Eisenmangel macht sich meist durch Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Nervösität, Unkonzentriertheit, Schalf- und Appetitlosigkeit bemerkbar. Hinzu kommen häufig Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen, Blässe, trockene Haut, brüchige Nägel und vermehrte Infekte. Diese Symptome treten zuerst bei dir auf, denn dein Kind wird sich weiterhin alles von dir nehmen, was es für eine gesunde Entwicklung benötigt. Trotzdem sollte in Absprache mit deinem Arzt eine Eisentherapie mit Medikamenten besprochen werden, denn bei einem andauernden Eisenmangel, kann es auch beim Kind zu Problemen kommen.

Welche Komplikationen bestehen bei Mutter und Kind?

Sollten nicht genügend rote Blutkörperchen vorhanden sein, kann es, neben den oben zur genannten Beschwerden, zur Blutarmut (Anämie) kommen. Nun kann es sein, dass die Plazenta nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird und sich nicht mehr weiter entwickelt. Dies kann zu einer Unterversorgung des Kindes kommen, was im schlimmsten Fall die Sauerstoffversorgung und die Gehirnentwicklung negativ beeinflusst. Außerdem sind durch eine Anämie die Risiken einer Frühgeburt sowie einem ungewöhnlich hohem Blutverlust der Mutter bei der Geburt erhöht. Infekte, die du dir während der Anämie einfängst, kann der Körper zu dem Zeitpunkt nur sehr schwer bekämpfen. Umstritten und noch nicht vollständig geklärt ist, ob durch einen extremen Eisenmangel der Mutter, das Baby ein erhöhtes Risiko besitzt während der Kindheit selbst an Blutarmut zu leiden.

Was tun bei Eisenmangel?

In erster Linie muss dein Frauenarzt den Eisenmangel diagnostizieren. Finger weg von einer überhasteten Selbstmedikation, denn auch ein zu hoher Eisenwert kann schädlich sein! Generell kann jede Schwangere auf eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung achten. Das ist eh nie falsch! Vegetarier haben es häufig etwas schwerer ihren Eisenhaushalt komplett zu decken, da pflanzliches Eisen vom Körper nicht ganz so gut aufgenommen wird wie tierisches Eisen. Dennoch kann man die Aufnahme für den Körper durch Vitamin C-haltige Gemüsesorten oder ein Glas Orangensaft erleichtern. Milch und calciumhaltige Lebensmittel hingegen erschweren die Aufnahme von Eisen und sollten daher nur zwischen den Mahlzeiten zu sich genommen werden.

  • Als Lebensmittel, die besonders viel Eisen beinhalten gelten vor allem rotes Fleisch, Schalentiere, Eier und Fisch.
  • Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkornprodukte sollten auch jederzeit auf deinem Speiseplan stehen, denn auch sie sind ein wichtiger Eisenlieferant und enthalten zudem auch noch jede Menge gesunde Ballaststoffe.
  • Rote Obstsäfte und trocken Obst strotzen nur so vor Eisen und helfen bereits vor der Schwangerschaft die Depots zu füllen.
  • Gemüse (vor allem grünes) ist immer eine gute Wahl und versorgt deinen Körper nicht nur mit Eisen.

Happy Pregnant woman drinking juiceBildquelle: Fotolia © rocketclips – Happy Pregnant woman drinking juice

Solltest du es trotz vielfältiger Ernährung nicht schaffen deinen Eisenbedarf zu decken, so kann es sinnvoll sein ein zusätzliches Eisenpräparat einzunehmen. Hierzu wird dein Arzt deine Blutwerte genau kontrollieren und mit dir zusammen eine Dosierung besprechen, um eine Überdosierung zu vermeiden. In den meisten Beipackzetteln wird empfohlen das Eisenpräparat auf nüchternen Magen zu nehmen. Es kann dabei aber bei manchen zu Magenschmerzen und Verstopfungen kommen. Sollte dies bei dir der Fall sein, kannst du die Nebenwirkungen durch die Einnahme während der Mahlzeit abmildern.

Darf ich Dir noch was empfehlen?

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