Grundschule

Grundschule: 3. Klasse – Druck ohne Ende

grundschule Mäppchen

Unsere Nena ist jetzt in der 3. Klasse der Grundschule und obwohl die 3. Klasse erst angefangen hat, bin ich schon total entnervt und Nena einfach nur überfordert. Bis zum Ende der 2. Grundschulklasse musste das kleine 1 x 1 komplett sitzen und jetzt im 3. Schuljahr ist es absolute Grundvoraussetzung. Ja – aber was ist, wenn dieses 1 x 1 nicht so tief sitzt? Unsere Nena tut sich hier echt schwer und ich muss wirklich sagen, dass ich auch nicht finde, dass die einzelnen Reihen gut gelernt wurden. Eigentlich garnicht – denn die Reihen mussten sie Zuhause selbst lernen. Aber wann können die Kinder eigentlich noch Kind sein?

Grundschule bis 13:15 Uhr

Neu in der 3. Klasse ist jetzt, dass die Kinder unheimlich lange Unterricht haben. Nena hat fast jeden Tag 6 Stunden was bedeutet, dass sie nie vor 14 Uhr Zuhause ist. Dann muss sie noch zu Mittag essen und macht eine kleine Pause! Sich dann noch einmal aufzuraffen und Schulaufgaben zu machen ist hart, verdammt hart! Und ich kann es verstehen. Wenn man mit 8 Jahren schon so lang Schule hat, möchte man auch irgendwann einfach mal spielen, sich verabreden, Kind sein! Mir kommt es so vor, als sei das nicht mehr gestattet. Schulaufgaben bis 15 Uhr Minimum und dann am besten noch lernen? Wo bleibt das Kind sein da?

grundschule Hausaufgaben

Hausaufgaben in der Grundschule

Mich nervt es wirklich extrem, nicht weil ich nicht möchte das meine Tochter was lernt – aber müssen die Kinder in diesem Alter schon unter einen so enormen Druck gestellt werden? Unsere Schule gehört zu den besten Deutschlands (habe ich mir sagen lassen) und mir kommt es manchmal so vor, als sei hier das oberste Ziel, diesen Status zu halten – koste es was es wolle. Gute Kinder willkommen und gefördert, schlechte Schüler werden gnadenlos mitgeschliffen und müssen zu sehen wie sie klar kommen.

Schreiben nach Gehör hat ein Ende

2 Jahre lang durfte meine Tochter nun schreiben wie sie hört und dabei sind wirklich interessante Wörter entstanden wie z.B. Tischört – na, habt ihr es erraten? Genau, T-Shirt sollte es heißen! Jetzt in der 3. Klasse sollen sie plötzlich richtig schreiben und die korrekte Rechtschreibweise anwenden. Tja – meine Tochter ist aber felsenfest davon überzeugt, dass sie schon immer richtig schreibt. Texte abschreiben ist jetzt auch oft angesagt und sie schreibt die Texte grundsätzlich falsch ab, nämlich so, wie sie es bisher auch geschrieben hat. Sie liest einen Satz und gibt ihn wieder – auf die richtige Rechtschreibung achtet sie gar nicht, weil sie ja denkt es sei richtig so. Auch das finde ich den absoluten Schwachsinn – denn wie sollen die Kinder jetzt die richtige Schreibweise lernen, wenn es sich schon 2 Jahre lang falsch im Gedächtnis festgesetzt hat?

Lernen Zuhause, aber wann?

Natürlich gibt’s an unserer Schule auch Förderunterricht, aber dieser findet oft garnicht statt und wenn, dann nicht ausreichend wie ich finde. Also bleibt es wieder an uns Eltern hängen. Doch mal ganz ehrlich, welches Kind möchte (wenn es erst um 15 oder 16 Uhr mit den Schulaufgaben fertig ist) noch weiter lernen? Ich kenne keins! Und ich möchte es auch nicht, Punkt.

Jetzt versuchen wir also wenigstens das 1 x 1 etwas zu vertiefen und hierzu hat sich Oma eingeklingt, mit der es deutlich besser funktioniert als mit mir. Im Prinzip müssten wir jetzt hergehen und unsere Tochter zum privaten Nachhilfeunterricht schicken. Aber dann hätten wir wieder das Thema „Freizeit“. Ich finde, dass die Kinder noch früh genug unter Druck stehen und frühestens mit dem Schulwechsel die Zügel angezogen werden sollten. Hallo – meine Tochter ist 8 Jahre alt!

Grundschule – Genervt & Überfordert

Mich nervt es! Mich nervt, dass die Kinder so einen Druck bekommen und regelrecht getrimmt werden. Klar – hier spalten sich garantiert die Meinungen, denn es gibt viele Kinder denen es einfach liegt und die super klar kommen. Aber wenn man eben ein Kind hat, was sich ohnehin schwer tut und Konzentrationsprobleme hat, ist stress vorprogrammiert und schuld ist immer die Muddi. Ich versuche oft meiner Tochter Dinge zu erklären oder einen Ansatz zu liefern, eine Aufgabe schneller oder einfacher zu lösen. Das ist allerdings immer mit großer Diskussion verbunden, weil sie es eben in der Schule anders lernen und sie sehr auf Regeln besteht. Also setzt sie sich mittlerweile schon selbst unter Druck. Bei den Hausaufgaben z.B. heißt es immer eine halbe Stunde pro Fach. Wenn aber im Hausaufgabenheft steht, Seite 3 – dann möchte sie auch die ganze Seite 3 schaffen. Egal ob wir dann 2 Stunden daran sitzen oder nicht. Hier sollte es einfach anders geregelt werden und klare Aufgaben für die verschiedenen Fertigkeiten der Kinder geben, oder?

Darf ich Dir noch was empfehlen?

5 Kommentare

  • Reply
    Lotti
    29. September 2016 at 19:28

    Oh, Du sprichst mir da aus der Seele! Ich finde, dass der Druck ab dem Vorschuljahr schon extrem steigt im Vergleich zu den Jahren davor. Dabei ist dieser Druck nicht immer direkt, aber indirekt vorhanden durch die Schuleingangsuntersuchung, die Vorsorgeuntersuchungen und ewig lange Listen, auf denen die geforderten Fähigkeiten stehen. Es ist so schade, dass wir nicht nach unseren Neigungen und in unserem eigenen Tempo lernen dürfen und schon von klein auf auf „Erfolg“ und „Norm“ gedrillt werden (man gucke sich nur die 1000 Babykurse an 😉 ) Kindheit fällt da leider oft hintenüber.

    • Reply
      Daniela
      30. September 2016 at 12:16

      Ich bin ja froh, dass nicht nur wir so empfinden und es vielen anderen auch so geht. So schade es auch ist!

  • Reply
    Eva aus Sockenbergen
    4. Oktober 2016 at 08:45

    Oh je, da blutet mir das Herz. Ehrlich!
    Nein, dass kann nicht sein. Ein Kind im dritten Schuljahr sollte tatsächlich nicht länger als 45 – 60 Minuten Hausaufgaben machen. Versuche ihr immer und immer wieder zu erklären, dass sie sich die Zeit zum Spielen nehmen soll. 30 Minuten für ein Fach ist angemessen und danach sollten wir Eltern einschreiten und sagen: Jetzt ist Schluss.
    Und ja ich weiß wie schwer das ist. Habe selbst drei Kinder, die jetzt alle zur Schule gehen. Dazu studiere ich noch Bildungswissenschaft und weiß von Hause aus, dass länger als 45 Minuten lernen nicht möglich ist. Konzentrationspausen dringend notwendig und Druck das Gegenteil bewirkt.
    Leider müssen wir da als Eltern stark sein und möglichst unsere Kinder unterstützen, wo wir können. Konkret dann auch einfach sagen: Schluss jetzt. Raus an die frische Luft.
    Jedes Kind ist gut so, wie es ist. Wenn jetzt schon viel gelernt wird in der Grundschule, vielleicht sogar weil man will, dass das Kind eine bestimmte weiterführende Schule besucht. Der tut sich letztlich selbst keinen Gefallen und vorallem dem Kind nicht. Wir handeln hier strikt nach dem Motto: Wenn du das alleine schaffst prima, wenn nicht auch nicht dramatisch. Und wenn du dich nicht mehr konzentrieren kannst, dann ist das so. Dann schreibe ich das unter die Hausaufgaben als Info für die Lehrerin und dann ist gut.
    Es ist auch für die Lehrkräfte nicht einfach 22 – 30 Schüler adäquat zu betreuen und jedem Kind individuelle Aufgaben zugeben, halte ich für unrealistisch.
    Ich drücke euch die Daumen, dass ihr bald einen guten Weg findet zwischen Pflichtprogramm und der unbedingt wichtigen Freizeit.

  • Reply
    Nane
    18. September 2018 at 09:31

    Hallo. Du sprichst auch mir aus der Seele. Mich würde interessieren, da der Bericht schon etwas älter ist, wie ist deine Tochter weiter erging. Meine Tochter ist jetzt in der dritten Klasse und der Druck ist auch weiterhin enorm hoch

    • Reply
      Daniela
      18. September 2018 at 09:40

      Hey liebe Nane,

      der Bericht ist schon älter!
      Wir haben unsere Tochter zurück stellen lassen und das war die beste Entscheidung überhaupt.
      Jetzt ist sie in die 4. Klasse gekommen und wenn ich mir vorstelle, sie hätte jetzt schon die Schule wechseln müssen – absolut unvorstellbar!
      Dieser Druck ist zwar noch immer teilweise vorhanden, aber nicht mehr so extrem.

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