Familie

Mobbing: Setz dich zur wehr und hol dir Hilfe

the kids are all right

Gestern blieb die Welt für einen Moment lang stehen, als die Nachricht über das 11-jährige Mobbing Opfer aus Berlin uns ereilte. Ein 11-jähriges Mädchen hatte sich wegen Mobbing das Leben genommen. Ein Mädchen, was nur 1 Jahr älter ist bzw war, als unsere Tochter die ebenfalls in der Schule gemobbt wird. Was muss dieses Mädchen erlebt haben, wie lange und vorallem wie schwer muss sie gelitten haben, um letztlich diese Wahl zu treffen. Mit 11 Jahren sollte ein Kind doch glücklich, behütet und beschützt leben. Doch uns Eltern sind oft die Hände gebunden, selbst wenn wir alles dafür tun, um unsere Kinder zu beschützen. Ohne Hilfe von Außerhalb ist alle Mühe vergebens, was dieser Fall wieder mehr als deutlich macht.

Wo fängt Mobbing überhaupt an?

So oft höre ich, wie schnell Situationen heruntergespielt und beschwichtigt werden. Es sei doch ganz normal das Kinder sich mal raufen. Ganz normal, dass auch mal Handgreiflichkeiten entstehen. Doch ist das wirklich so normal? Klar, kann es mal passieren das Kinder sich streiten, doch sobald Handgreiflichkeiten entstehen oder dieser Streitigkeiten über mehrere Tage anhalten, sollte dringend gehandelt werden. Nur so kann man Mobbing ausrotten und Kinder davon abhalten, andere Kinder fertig zu machen.

Leider wird oft viel zu spät (oder garnicht) gehandelt und die Täter versucht in gutes Licht zu rücken. Schwierige Familienverhältnisse, schwierige Kindheit oder andere Gründe werden dem Täter zugesprochen. Das Opfer spielt meist zunächst eine untergeordnete Rolle. Es gehören ja schließlich immer 2 zu einem Streit. Doch dass es oft garkein Streit ist, sondern der eine sich maximal wehrt (wenn überhaupt), wird oft übersehen. Deswegen: Mobbing ist es sobald Handgreiflichkeiten stattfinden oder ein Kind sich massiv von anderen bedroht oder bedrängt fühlt.

Nur wenn man Mobbing in seiner Entstehung eindämpft, kann man es wirklich verhindern. Nur wenn man von Beginn an hart durchgreift, kann man etwas erreichen. Dabei sollte der Täter kein größeres Interesse erfahren, als das Opfer! Das Opfer muss geschützt werden und zwar SOFORT!

Was kann ich gegen Mobbing tun?

Sofort handeln und Bildungsträger (Schule, Kindergarten etc.) einbeziehen! Es muss sofort gehandelt werden und es muss auch sofort Konsequenzen für mobbende Kinder geben. Abwarten und Tee trinken ist hier absolut der falsche Weg. Nehmt Kontakt auf, sprecht über eure Ängste und Sorgen und lasst eure Kinder spüren, dass sie gehört werden und auf eure Hilfe hoffen können. Sie müssen ernst genommen werden und spüren, dass sie diesen Weg nicht allein gehen müssen.

Immer wieder höre ich, dass Schule (oder Kindergarten) nicht bereit sind zu handeln oder geschehenes klein reden. Sollte das der Fall sein, würde ich sofort eine Instanz höher gehen. Das Schulamt informieren und ggf. auch die Polizei. Je nach Schwere und eigenem Empfinden.

Strafrechtliche Verfolgung von Minderjährigen

Strafrechtlich gesehen kann man zwar erst Kinder ab 14 Jahren selbst belangen, doch auch in jüngeren Jahren gilt „Eltern haften für ihre Kinder“. Deswegen sollte man in schlimmen Fällen sofort die Polizei informieren. Denn leider ist es ja meist so, dass es erst dann bei den Eltern ankommt bzw. klingelt.

Und wenn Eltern für ihre Kinder haften, kann das für die Eltern eine wirklich kostspielige Angelegenheit werden. Das steht natürlich in keinem Verhältnis zu dem, was die Täter ihren Opfern antun, aber rüttelt vielleicht viele Eltern mal wach.

Wie entsteht Mobbing überhaupt?

Eine Frage, die ich mir auch lange gestellt habe. Gerade Kinder in so jungen Jahren, können doch nicht von Grund auf böse geboren sein. Sind sie auch nicht! Ihnen wird vorgelebt, sie gucken sich ab und übernehmen Verhaltensweisen. Leider gibt es immer mehr Familien, die sich kaum noch für ihre Kinder interessieren und selbst einen Lebensstil und eine Auffassung von einem Miteinander haben, die alles andere als normal ist.

Niemand kann mir erzählen, dass der 7-jährige von Nebenan von ganz allein auf die Idee kommt, einen Mitschüler zu schlagen oder verbal fertig zu machen. Zunächst einmal muss er diese verbalen Ausdrücke ja irgendwo aufgeschnappt haben, die fallen ja nicht einfach so aus den Wolken. Und auch körperliche Gewalt ist nichts, was ganz normal ist und jeder einfach so anwendet. Kinder sind der Spiegel der Erwachsenen (oder Älteren) und orientieren sich stark an den Personen, die ihnen am nächsten stehen. Oft sind es auch ältere Geschwister, die als Vorbild dienen. Doch auch hier sollte man als Eltern sofort checken, was passiert und handeln.

Mobbing fällt also nicht einfach so vom Himmel oder ist angeboren. Es wird erlernt und abgeguckt! Als Eltern sollte man sowas also eigentlich mitbekommen oder dafür sorgen, dass Kinder garnicht erst solche Verhaltensweisen lernen.

Täter nicht Opfer bestrafen!

Immer wieder höre ich auch, dass nicht den Tätern nahe gelegt wird die Schule zu wechseln, sondern den Opfern. Wie kann das sein? Für mich gehört nicht das Opfer bestraft oder abgeschoben, sondern die Täter. Und jetzt schreien viele wieder auf, das Isolation für Täter auch keine Option ist. Das mag ja sein, aber eine Schule an der sie andere Kinder jederzeit aufs neue tyrannisieren können ja wohl auch nicht. Vielleicht wäre hier eine Therapie Gruppe die geeignetere Form als den Freiversuch an einer Schule, an der sich andere Kinder an die Regeln halten und unter dem Verhaltenen einzelner leiden? Unsere Kinder sind ja keine Versuchskaninchen für die Integration von Tyrannen! Ein solches Kind sollte zumindest eine Integrationshilfe an die Seite gestellt bekommen, damit es die gesamte Zeit über unter Beobachtung steht. Und hier sollte es wiederum schnellere Hilfe von oben geben.

Es dauert in den meisten Fällen viel zu lang, bis Mobbing Täter wirklich bestraft werden. Es wird geredet, beschwichtigt und gerne auch mal verharmlost. Und dann kommt ja auch noch der bürokratische Weg hinzu, der sehr langwierig zu sein scheint. Hier sollte es doch sehr viel effektivere und schneller greifende Wege geben.

Schulwechsel oder krankschreiben

Auch wir waren kurz davor einfach zu sagen, gut, dann soll unsere Tochter halt die Schule wechseln oder wir lassen sie bis zum Schuljahresende krank schreiben. Doch Pustekuchen, so einfach ist das leider nicht. Ein Schulwechsel ist nur dann möglich, wenn der Wohnort sich verändert. Ein Schulwechsel wegen Mobbing bedarf der eingehenden psychologischen Betreuung und Bestätigung eben dieser. Und das wiederum kann dauern, zu lange dauern.

Auch das krankschreiben eines Kinder was gemobbt wird ist seitens eines Kinderarztes nicht möglich. Mobbing ist keine Krankheit! Auch hier kann nur ein Kinderpsychologe die dementsprechende Bescheinigung ausstellen und das auch nicht einfach so.

Alles in allem dauert es viel zu lange, bis einem Kind wirklich geholfen wird. Wäre es da nicht einfacher, die Täter direkt und ohne Umwege zu bestrafen?

Wo bekommst du Hilfe?

Viele googeln ja zunächst und auch beim Thema Mobbing ist Dr. Google die erste Anlaufstelle. Mittlerweile gibt es viele tolle Organisationen, die sich für Mobbingopfer einsetzen und mit Rat und Tat zur Seite stehen. Damit ihr nicht lange suchen müsst, habe ich euch mal einige Links dieser Organisationen zusammengefasst:

Eure Geschichte findet einen Platz auf meinem Blog

Auf meiner Instagram Seite habe ich in einem Post schon dazu aufgerufen, mir eure Geschichten zu schicken. Ich habe auch schon viele wirklich bewegende Geschichten von euch bekommen, die ich nun nach- und nach auf meinem Blog veröffentlichen werde.

Was ich toll finde sind Geschichten, die wirklich ein „happy-end“ finden, doch das ist leider bei den wenigsten der Fall. Ich würde mir wünschen mit dieser Blogreihe wieder ein Stück mehr „Öffentlichkeit“ für dieses Thema zu finden. Es muss endlich wirklich was passieren!

 

Darf ich Dir noch was empfehlen?

1 Kommentar

  • Reply
    Kerstin
    4. Februar 2019 at 15:16

    Meine Tochter hatte das Gleiche durch, als sie noch in der Schule war. Wenig Unterstützung seitens der Schule und des damaligen Klassenlehrers. Wir haben dann Beweise gesammelt und die Polizei eingeschaltet. Die Lage beruhigte sich erst wieder, als das Mädchen, von der die Mobberei ausging, von der Schule flog. Sie war übrigens dann mit 14 schon schwanger. Meine Tochter wird dieses Jahr 25 und leidet heute noch an den Folgen. Manchmal wünschte ich, dass ich mich damals eher eingeklinkt hätte. Sie wollte das aber nicht, weil sie dachte, das dadurch alles nur noch schlimmer wird. Mein Tipp ist es auch SOFORT und bei den ersten Anzeichen einzuschreiten. Es wird nicht besser und zwischen kindlicher Kabbelei und Mobbing, wo die ganze Klasse beteiligt ist, gibt es einen himmelweiten Unterschied. Gruß Kerstin

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